We just wanna live

Die Hand greift nach dem Arm. Fest. „Is it open?! Is it open?! – No. – When will they open?! When?! – Don’t know.“


Wohin sie nun gehen sollen, wollen sie wissen. Jungen. Männer. Frauen. Kleine Mädchen. Eine Antwort darauf hat niemand an diesem Freitag. Auf der Brücke über die Donau in Besdan. Es ist die Frage des Tages – an der serbischen Grenze zu Kroatien.

Gesperrt ist sie. Von beiden Seiten. Legaler Grenzübertritt unmöglich. Überall Zelte. Menschen. Unten am Fluss springen sie vom Strand ins Wasser. Mit Anlauf und Salto. „No photo!“ rufen sie hinauf zu jenen, die mit ihren Objektiven die Szene festzuhalten versuchen.

So bald wird sich nichts öffnen auf der Brücke, unter der grün die Donau dahinfließt. Ein Bulldozer – made in Germany – steht quer. Dahinter drei Einsatzfahrzeuge der kroatischen Polizei. Die Männer in vollem Kampfanzug. Ein Vater, eine Mutter und die drei Kinder – sie lehnen am Rad des Bulldozers. Suchen Schatten. Auch dort 36 Grad.

Assam kam aus Ägypten. Hockt unter einer Plane. Zum Schutz gegen die Sonne. Der leichte Flaum über der Oberlippe verrät den Jüngling. 16 sei er, sagt er. Sagt es und lächelt. Als seien die 16 Jahre sein ganzer Stolz.

Ein Bus hält vor dem serbischen Schlagbaum. Ein zweiter. Ein dritter. Fünf sind es am Ende. Männer laufen zu den Zelten. Alle packen. Babies schreien. Männer rufen die Jungs vom Flussufer. Hinauf sollen sie. HinaufHinauf.

Die Busse sollen sie nach Sid bringen. Zum nächsten Grenzübergang. Zum nächsten geschlossenen. Links und rechts davon aber haben allein bis zum Mittag fünftausend Menschen Kroatien erreicht. Querfeldein. Irgendwie. Einfach los.

Die kroatischen Polizisten blicken schweigend auf jene, die nun Igluzelte auseinander bauen. Isomatte, Schlafsack zusammenrollen. Auf die, die kaum gegessen haben in den vergangenen Tagen. Den, der – von einer Schlange in den Bauch gebissen – immer wieder sein T-Shirt anhebt. Damit es nicht festklebt an der eitrigen Wunde.

An den Bussen Gedränge. Werden sie Platz haben für einen jeden. Bleibt die Familie zusammen. Wohin fahren sie.

Nach Sid. Nach Kroatien. Und irgendwann nach Allemagne. „Why don’t they open the border?! Why?!“ Immer wieder. Warum. Warum. Nach Deutschland wollen sie doch. „But they don’t want us anymore. Friends wrote us about protests against refugees. But there is war in Syria. We don’t want your money. We just wanna live.“

PS. Die Busse haben die serbischen Behörden geschickt. Die Busse sind mit den Menschen losgefahren. In Notunterkünfte. Damit sie trinken. Essen. Schlafen. Ausruhen. Sid ist noch immer weit weg.

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