Frag‘ mal

Ob sie sich noch sicher fühlen in Deutschland, soll ich fragen. Nun, da das, wovor sie geflüchtet sind, Paris erreicht hat. 

Wenn die Schweigeminuten geschwiegen, die Kerzen erloschen sind, werden wir zurückkehren zum Alltäglichen. Weil Paris zwar nah, das Geschehene dennoch unbegreiflich ist.

Die Zeit aber geht anders für jene, die ihre Menschen verloren haben. Für die, die überlebt haben. Für die, die in dieser Nacht im Einsatz waren – als Polizist, Arzt, Sanitäter, ….. .

Und ein bisschen geht sie auch anders für die, die geflüchtet sind. Weil die „Ich-schneid‘- Dir-die-Kehle-durch“-Geste der vergangenen Monate auf Deutschlands Straßen vielleicht bald nicht mehr nur Geste ist. 

PalimPalim

Kurz vor Mitternacht. PalimPalim – Whatsapp. Einer von den Jungs. Es ist fast immer einer von den Jungs, wenn es palimmt. 

„I heard about some news in facebook they will send some Syrian people to hungary. I want to know if that is true or not.“

Durchatmen. Schlaf aus den Augen reiben. Dublinverfahren in die googleNews-Suche eingeben. 

„True. Muhamad. It is true. …………“

Licht an. Weitersuchen. Nachdenken. Schreiben. Dass das eigentlich kaum möglich sein wird. Weil weder Ungarn, Österreich oder Italien – weil sie die Flüchtlinge nicht zurücknehmen werden. Anführungszeichen setzen. Und hoffen, dass er das nicht missversteht. Mit dem Zurücknehmen. Weil sie – ja, weil was eigentlich. Muhamad schreibt nicht mehr.

Seine Eltern sind in Norwegen. Er ist – hier – der HansDampf in allen Gassen. Ihn fragen sie, wenn sie eine Wohnung suchen. Einen Brief nicht verstehen, in dem es heißt, der Kunde möge eine Einweisungsverfügung zur Unterkunftslage beibringen – ansonsten würden die Leistungen gekürzt. 

Muhamad hat darauf keine Antwort. Aber er kennt jemanden, der sie haben könnte. Im Amt. Bei der AWO. Dem Roten Kreuz. Oder den Maltesern. Und er kennt die Antwort, sollten sie das DublinVerfahren tatsächlich wieder konsequent anwenden. Sollten die anderen Länder die Menschen „zurücknehmen“. 

Vermutlich soll das ein Zeichen sein, schreibe ich noch. An all‘ die, die noch auf dem Weg sind. Nach Deutschland. Ein Zeichen dafür, dass Schluss ist nun. Und Deutschland sich selbst nicht mehr leiden kann. ?