Großes Theater um kleines Kino auf Hiddensee

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Ekki Gau will nichts mehr wissen. Vom Kino auf der Insel Hiddensee, das da einst im Wäldchen stand. 46 Jahre hat Ekki Gau in Vitte die Filmrollen eingelegt.

Zehntausende haben auf den braunen Klappstühlen in Reihe gesessen, auf blauen Polstern unter der grauen Zeltplane. Haben sich vom Säuseln des Windes, das die Geschichten des Meeres erzählt, und den Bildern auf der Leinwand noch weiter aus dem Alltag ziehen lassen, als es ohnehin schon geschieht auf dieser Insel.

Kino ist Emotion

Vor zwei Jahren musste das Zelt im Wald abgebaut werden. Weil die „Insel Information“ als Betreiber die Pacht nicht mehr aufbringen konnte. Beim Thema Kino schweigt Ekki Gau heute. Will auch von einem Interview nichts wissen.

Eine Frage des Standortes

Nun steht ein zeltähnliches Etwas in Vitte direkt am Hafen. Erdnägel halten die Konstruktion am Boden. Bei dem Sturm, der der neuen Spielstätte von so mancher Seite entgegen braust, ist das auch vonnöten. Unterschriften haben sie gesammelt – Urlauber und Touristen, damit die Zeit der provisorischen Filmvorführungen ein Ende hat und der Standort für das Kinozelt im Wäldchen erhalten bleibt. Im Frühjahr dieses Jahres waren es 5.000. Das Zelt kam dennoch an den Hafen. Die Gemeindevertreter hatten sich entschieden.

Doch die Standortfrage spaltet die Insel. Während die einen von fehlendem Baurecht im Wäldchen reden, sprechen die anderen vom Unwillen der Politik. Bürgermeister Thomas Gens winkt ab. Gens hat die Mehrheit in der Gemeindevertretung hinter sich. Das Zeltkino sei wichtig. Aber auch nicht der Nabel der Insel, sagt er.

Eine Insel auf dem Weg in die Moderne

Ekki Gau hat mit all‘ dem schon lange nichts mehr zu tun. Er hütet die Erinnerungen. Seine Frau ist es, die in einem Café in Vitte in Klarsichtfolien geschützte Fotos auf den Tisch legt und erzählt. Davon, wie ihr Mann die TK 35 – eine mobile Filmvorführanlage – Sommer für Sommer im Zelt zwischen den Bäumen aufbaute. Wie er die Filmrollen schleppte, Zeltplane und Verdunklung über die gebogene Konstruktion zog. Und wie romantisch es gewesen sei, wenn im Sturm die Leinwand bebte und wackelte.

Jörg Mehrwald, der Kinovorführer von heute, hat es da leichter. Über den 66 dunkel gepolsterten Stühlen lehrt ein kleiner Beamer die Bilder das Laufen. Mehrwald hält zwei Fernbedienungen in der Hand, drückt zwei Knöpfe und die DVD läuft.

Von Freunden und Feinden

„Die drei Musketiere“ stehen am ersten Zeltkinoabend nach zwei Jahren auf dem Spielplan. 28 Karten sind verkauft. Eine gehört Peter Hoffmann. Der 78-Jährige kommt seit 1964 auf die Insel. Jeden Sommer zum Malen. Auf Hiddensee, sagt Hoffmann, hole er seinen Filmbedarf nach. Und früher habe es da Filme gegeben, die es zu DDR-Zeiten eigentlich nicht gegeben haben dürfte. Die habe Ekki besorgt. Ekki Gau. Mehrwald hingegen muss heute mit den Verleihern über die Filmrechte verhandeln. So wie über den, den er zur Wiedereröffnung zeigt.

Sabine Reichwein springt vom Rad. Die Berlinerin sagt, sie sei Zeltkinosüchtige. Egal, wie es Moment aussehe, dass überhaupt etwas passiere, sei wichtig. Reichwein kam 1942 zum ersten Mal nach Hiddensee. Ihrer Familie gehört das sogenannte Hexenhaus auf der Insel. Das Kino im Wäldchen – ja, das sei unschlagbar. Und dass man anschließend mit einem Glas Rotwein in der Hand über den Deich zum Strand hinunterging. Aber die Zeiten würden sich eben ändern. Und dagegen könne und dürfe man sich nicht wehren.

Nach der Vorstellung sagt Reichwein, der Film sei doch irgendwie ganz schlau gewählt. Die Musketiere in moderner Version in einem neuen Zeltkino. Und nun sei es doch auch an der Zeit, dass auch auf der Insel der Leitspruch der vier französischen Abenteurer gelten möge: Einer für alle, und alle für einen. Das würde Ekki Gau gefallen.

 

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