Of ships and men

„Haudieeeeeh …..“ Auf dem Steg reiben die Schlappen über den Zement. Eine immer ein wenig später als die andere. Stuhlbein dünne Beinchen schieben sich in schlabbernden Shorts durch die Marina. Darüber ein gekrümmter Rücken. Ein Kopf bedeckt von schlohweißem Haar. Sie heißen Steve, John, Joe, Alfred, Don, Larry oder Marc und grüßen mit jenem lang gezogenen „How do you …..?“
„Can you give me a cigarette, please!“ Die Finger drücken den Tabak zurecht im Papier. „Oh – she’s rolling! – Yeah – but it’s just tobacco.“ Zum X-ten Mal machen sich Marc und ein Kumpel an einer Beneteau uns gegenüber zu schaffen. Kontrollieren Motor, Wanten, Fallen und Schoten, pumpen das Dinghy auf, fädeln das Groß ein in den Mast. Seit drei Jahren will der Eigner mit dem Schiff nach Costa Rica. So bald alles seeklar ist, überlegt er sich es anders.

„Another day in paradise!“ Don zeigt seine weiße Zähne und strahlt. Vielleicht meint er die Palmen. Die Wärme. Oder die Vorstellung, die Marina mit seinem Katamaran in Richtung offener Ozean zu verlassen. So wie Mel und John. Bei Tagesanbruch warfen sie die Leinen los, umrundeten das Ankerfeld, setzten Segel und machten sich durch Bocas del Toro – das Maul des Stieres – von dannen. „First St. Andrews, then pointing to the north.“ Micha blieb der Anblick erspart. Die leere Box jedoch nicht.

Über Sandine schweben elf Buchstaben. Oder sechs. Je nachdem. To sell oder zu verkaufen. Das Rigg leer, das Großsegel unter Deck verstaut, die Genua ebenso. Dafür leert sich Schapp für Schapp. Chinesische Fertignudeln zum Aufkochen in zahllosen Päckchen – die Notration für den Pazifik – unbesehen in die Tonne. Zwei Reisebügeleisen, ein Neoprenanzug, Werkzeug, Bücher, Notfallkoffer mit sterilem Besteck, Küchenutensilien, Klamotten, Zubehör für Segel- und sonstige Reperaturen – ein ganzer Hausstand. Ein Zuhause. Michas Zuhause.

„Ooooah – twenty years ago I was dead. For seven minutes. I had just bought a boat. I could not die, I thought. And then I went sailing. The past twenty years were the best of my life!“ Micha erzählt von der Begegnung im MarinaOffice, als er aufs Schiff zurückkehrt.

An Bord geht das Ausräumen weiter. Jeden Tag ein bisschen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Und das Reden. Über das, was bleiben mag vom Leben – ohne Sandine. Ohne Pazifik. Ohne Zuhause. Und auf dem Wasser schwimmt eine Sternschnuppe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.