Wenn einer in die Ferne will

Wer los will in die Ferne aus meinem kleinen Heimatstädtchen, der kann auf direktem Wege nur zu Fuß oder mit dem Wagen reisen. Den Zug zum Flieger gibt es deshalb nur mit Umsteigen. Manchmal entfällt er ganz, und der Reisende teilt sich dann ein Taxi mit gleichermaßen Stehengelassenen.

Dann trifft er möglicherweise auf Menschen, die ihm über drei Ecken bekannt sind. So wie Douaa von der Insel Poel auf dem Weg zu ihrer Freundin in Niedersachsen. In jedem Fall erreicht der Reisende den Anschlusszug so pünktlich, und der trifft ebenso unspektakulär pünktlich am Abflugort ein.
Hüpfen wir auf die Insel, auf der einen ein freundlicher Robbie mit Namensschild wie im Film in Empfang nimmt und durch die karibische Nacht bringt. Sandine steht auf ihrem Kiel. Gehalten von Stützen. Eine Leiter führt die gut dreieinhalb Meter hinauf zum Schiff.

Das erste karibische Frühstück wird eine Überraschung. Das Englisch der Insulaner – nach drei Stunden Schlaf für mich nicht zu verstehen. Dann liegen gesalzene und gebratene Heringstückchen an Gemüse (?) und Salat und Weizenfladen vor mir auf dem Teller. „Delicious!“ Die Kellnerin lacht.

Auf Sandine ist noch viel zu tun. Zwei Seiten lang ist die Liste. Es helfen das Team von Allan, dem Maler, Allister, der Mechaniker und Ricky, der „Yo, man!“. Ricky demontiert die Winschen, reinigt, fettet sie und setzt sie wieder zusammen. Fünf Winschen – drei Tage. Am zweiten klettert Ricky, „Yo, man!“ die Leiter hinauf. Vor ihm eine Schnapsfahne. „Who was the last who worked on your winshes?!“ Micha und ich sehen uns an. „Ricky, yo, man!“, denken wir. Eine Unterlegscheibe fehlt plötzlich. Aber er könne sie besorgen. „Yo, man!“

Wir hingegen müssen Essen besorgen. Micha warnt mich vor. Gemüse, Obst – Frisches im Allgemeinen eine Autostunde entfernt in Port of Spain. Nicht aber Mango, Papaya oder Kokosnüsse aus insulanischem Anbau – Obst und Gemüse werden importiert. Bevorzugt aus den USA.

Klar. Der kleine Inselstaat ist reich. Reich an Drogenumschlag auch. Und reich an Selbstbewusstsein. Fast wäre ich schon bei der Einreise gescheitert. Ganja steht hier hoch im Kurs. Der „Yo, man“ ist ein wenig enttäuscht, als ich seiner Bitte nachkomme und ihm eine Zigarette drehe. „Just tobacco?! You don’t like Ganja?! Me a lot!“ Willkommen in der Karibik.

One thought on “Wenn einer in die Ferne will

  1. Hallo Kleines!Schön, das Dir die ersten Tage gefallen! Ich hoffe für Euch, das es noch schöne Tage werden und bleiben.
    Gruß Werner!

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