Zu doof zum Flüchten

Abed. Chemiestudent aus Damaskus. Abed hat ein Handy. Ein Smartphone sogar. Und er schreibt mir Mails. Auf Englisch. Dass er Deutsch lernen möchte. ASAP. As soon as possible.

Abed kam mit seiner Mutter. Als einer von mehr als zehn Millionen Syrern, die flüchten. Vor Baschar Al Assad. Vor ISIS. Vor Bomben. Vor dem Tod. Nur. Abed war zu doof zum Flüchten.

In Ungarn hat er sich bei den Behörden gemeldet. Hat einen Stempel in seinem Pass. Einen ungarischen. Damit ist für ihn in Deutschland etwas erloschen. Das, was für die gilt, die ohne Behördengang im Zwischenland die Grenze zu Deutschland überquert haben. Der anerkannte Status als Flüchtling. Das damit verbundene – sofortige – Bleiberecht. Die Möglichkeit, vergleichsweise unkompliziert einen Job zu finden. Dublin III nennt sich das, warum Abed und die Mutter zurück nach Ungarn werden gehen müssen.

Die Jungs an der Grenze hätten ihm geholfen. Für 2.500 Euro hätte er ohne ungarischen Stempel passieren dürfen. Sagt Abed. Aufgestützt auf eine Hacke, mit der er Unkraut auf dem Friedhof eines norddeutschen Städtchens aus der Erde reißt. Für einen Euro und fünf Cent die Stunde. Kommunale Arbeitsgelegenheiten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Paragraph 5.

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