Urlaub. Mal anders.

Beirut – Tel Aviv. Heute geht der Flieger. Von Schönefeld. Flug ST 6002. Ab 14:00. An 18:45.

Vorhin. Kurz nach neun. Die Tasche geschultert. Auf dem Weg zur Straßenbahn. Twitter plingt. Ich lese „sorry“. Dann erst mal nichts mehr. Meine Augen können die folgenden Buchstaben nicht fixieren. „Nicht anlegen“. „Zurück“. „Mersin“.

Flug 844. Ab 14:15. An 21:45.
Neues Ticket. Neues Ziel. Auf geht’s.

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NACHTRAG

Schönefeld. Noch immer. CheckIn Istanbul. Ein junger Mann. Das Gesicht – schon mal gesehen. Abflug.

Istanbul leuchtetet unter mir. Der kurze Gedanke, Sinan anzurufen. Dann CheckIn nach Adana.

Im Flieger das Tischchen runtergeklappt. Die Arme darauf verschränkt. Den Kopf niedergelegt. Schlafen.

Der junge Mann aus Schönefeld sitzt am Fenster. Neben mir. „Sind Sie Ende Mai zufällig schon mal nach Istanbul geflogen?“ Zu einem Praktikum, sagt er. In die Ferien, sage ich.

Ankunft Adana. Çem, Ali und Kemal. Drei Cousins. Ein Ziel. Ein Wagen. Und eine Mitfahrerin. Der Autovermieter verschenkt sein Feuerzeug. Ali singt türkische Lieder. Nach einer waghalsigen Fahrt durch die Nacht über die Autobahnen der Südtürkei, lebhaften Gesprächen über ISIS, Allah, den Glauben und das Leben – Mersin. Marina Mersin. Michael und Adelheid. Die Sandine.
Zwei Stunden später knistert das Wasser unter meiner Koje. Danke ich Ali, Kemal und Çem in Gedanken. Ein weiteres Mal.

Mersin. Wer bist Du, dass Du mich von Beirut in Deine Straßen, zu Deinen Menschen lockst.

Am nächsten Morgen hast Du Dich mir gezeigt. Zwischen Backbord und Steuerbord der Hafeneinfahrt sehe ich das Mittelmeer – Dir mit weißem Haupt gekrönt guten Morgen entgegeneilend. Die Wolken tun es dem Wasser gleich, ziehen zu Dir hinüber. Also zieht es auch uns hinein. In die Gerüche, die Farben von Orient. Hin zu Deinen Menschen, die uns den Weg zeigen – wohin auch immer uns gerade der Wunsch treibt. Adelheid und ich werden etliche Kilometer und Begegnungen später zurückkehren auf die Sandine. Der Tag geht auch hier früh zu Ende.
Stockfinster ist es, als der Wind plötzlich dreht, die Sandine sich im Hafenbecken windet. Blitze krachen neben die Kaimauer. Donner rummst übers Deck. Der Regen mischt sich mit der Gischt. Alle an Deck. Ein Riesenkahn verholt sich mal eben in unsere Richtung. Niemand ist dort an Bord. Irgendwann greifen die Leinen.
Klamotten in den Trockner. Ölzeug an. Im Hafenbecken. Aha.

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