Zu gut. Zu rechts. Und noch nicht übern Berg.

Es ist ja nicht so, dass man den Kopf nicht voller Gedanken hätte, die einen selbst betreffen. Die Arbeit. Familie. Das Liebesglück.

Aber die Stimmung an deutschen Glühweinständen ist  in diesem Jahr eine andere. Da steht kaum jemand, der einem ungefragt Amaretto-Blue in Form von Eheproblemen oder allgemeingültiger Wut in die Tasse speit.

Die Deutschen haben derzeit andere Themen. Zu Guttenbergs Rückkehr. Den Rechtsextremismus sowieso. Und selbst Hartz IV als Systemfehler diskutieren die Menschen mit schweren Lippen. Dabei ruft gerade keine der großen Gewerkschaften zu Demos dagegen auf.  Passiert da etwa was? Passiert da was in den Köpfen?

Nun. Über zu Guttenberg mag ich mich gar nicht äußern. Dieser Mann berührt weder meine Geschmacksnerven noch meinen Wutsinn. Er interessiert mich nicht. Und der mediale Umschlag, der sich um ihn legt wie Haferbrei, auch nicht.

Der Rechtsextremismus und die Art, wie wir mit ihm umgehen, berühren mich da schon eher. Beides weckt die Wut. Und die Angst.

Zu Zeiten der RAF sei es gewesen, dass letztmals landesweit Menschen von Fahndungsplakaten an Laternenmasten, Litfasssäulen oder in Straßenbahnen hinunterstierten. Von denen, die nun zu sehen sind, sind zwei in die Luft geflogen. Eine sitzt im Gefängnis. Die suchen sie nicht mehr. Wen dann.

Wie viele Mitglieder dieses sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds vernichten gerade Beweismaterial. Wie viele von ihnen putzen ihre Waffen und basteln an Sprengsätzen. Welche von den Braunen sind unsere Nachbarn.

Sind es die, die ihr Obst beim „Fidschi um die Ecke“ kaufen. Oder die, die „gegen Ausländer nichts haben“, ihre Tochter aber bitten, den Russen nicht mit nach Hause zu bringen. Oder sind es die, die den neuen Spanier meiden, weil er keine Pommes mit Schnitzel serviert. Oder die, die von „Dönermorden“ sprechen und schreiben, während Menschen ums Leben kamen.

Und: Ist das alles ein Problem des Osten? Ja, sagt ein Freund. Dem habe das reinigende Gewitter der 68er-Bewegung gefehlt. Nein, sage ich. Es ist ein Problem der Deutschen.

Ein Volk, das bei einem Vorrundenspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft – bei der EM 2012 werden wir es nach der aktuellen Auslosung wohl kaum erleben – bei jedem Tor hupend und geeint durch die Straßen tobt, aber wenn es darauf ankommt, seine Rechte wahrzuehmen, den Arsch nicht hochkriegt, hat keinen Mumm. Dieses Volk hat nicht nur keinen Mumm – es hat auch kein Rückgrat.

Es lässt sich übertöpeln von politischen Entscheidungen. Von Hartz IV. Vom Kriegseinsatz in Afghanistan. Von der Vorratsdatenspeicherung. Es lässt sich führen. Auch zum Schafott.

Was eint die Menschen in diesem Land noch. Ich weiß es nicht.

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